Was kostet Freelancing in Deutschland pro Jahr? Die ehrliche Rechnung
13.400 Euro pro Jahr, bevor du einen Cent verdienst
Bevor du auch nur einen Euro verdienst, kostet dich das Freelancer-Dasein in Deutschland zwischen 6.000 und 15.000 Euro pro Jahr. Je nach Branche, Arbeitsweise und Anspruch auch mehr.
Das ist kein Clickbait. Das ist die Summe aus all den Posten, die du einzeln als "geht schon" abtust. Zusammen ergeben sie ein kleines Gehalt. Und die meisten Freelancer rechnen diese Kosten nicht in ihren Stundensatz ein. Das bedeutet: Sie arbeiten günstiger, als sie denken.
Was kostet Software und SaaS als Freelancer?
750 - 3.600 Euro/Jahr
Das Minimum:
- Buchhaltung (z.B. lexoffice/sevDesk): ca. 180-360 €/Jahr
- Cloud-Speicher (z.B. Google Workspace): ca. 84 €/Jahr
- Passwort-Manager: ca. 36-48 €/Jahr
- Sonstige Tools: 100-200 €/Jahr
Macht: ~500-900 Euro/Jahr
Die Realität bei vielen:
- Buchhaltung: ~360 €
- Cloud-Speicher: ~84 €
- Adobe Creative Cloud: ~700 €
- Design-Tools (z.B. Figma): ~180 €
- Kommunikation (z.B. Slack): ~90 €
- Hosting/Server: ~240 €
- Diverse SaaS-Tools: ~500 €
Macht: ~2.100 Euro/Jahr, und manche kommen auf 3.600+
Was kosten Versicherungen für Freelancer in Deutschland?
2.400 - 6.000 Euro/Jahr
Krankenversicherung (Pflicht): Für Selbständige in der gesetzlichen KV: Mindestbeitrag ca. 220 €/Monat bei niedrigem Einkommen. Realistisch bei gutem Verdienst: 400-900 €/Monat. Private KV: 300-600 €/Monat je nach Alter und Tarif. Das ist der größte Einzelposten: 2.640 bis 10.800 Euro im Jahr.
Berufshaftpflicht: Je nach Branche 200-800 €/Jahr. Für Entwickler und Berater eher am oberen Ende. Klingt viel, bis der erste Kunde wegen eines Fehlers Schadensersatz fordert.
Berufsunfähigkeitsversicherung: Optional, aber dringend empfohlen. 80-200 €/Monat. Viele Freelancer sparen hier und bereuen es, wenn es sie trifft.
Rechtsschutzversicherung: Beruflicher Rechtsschutz: 200-400 €/Jahr. Lohnt sich ab dem ersten Streit mit einem Kunden.
Realistisch insgesamt: 4.000-7.000 Euro/Jahr (ohne PKV-Extreme)
Was kostet ein Steuerberater für Freelancer?
1.200 - 3.600 Euro/Jahr
- Einnahmenüberschussrechnung (EÜR): 500-1.200 €/Jahr
- Umsatzsteuervoranmeldung: 300-600 €/Jahr
- Einkommensteuererklärung: 300-800 €/Jahr
- Beratung und Sonderfragen: 100-500 €/Jahr
Realistisch: 1.500-2.500 Euro/Jahr. Das Geld ist gut angelegt. Ein guter Steuerberater spart dir mehr, als er kostet, durch Absetzungen, die du sonst verpasst.
Was kostet ein Büro oder Arbeitsplatz?
0 - 6.000 Euro/Jahr
Home Office:
- Internet (anteilig): 120-240 €/Jahr
- Strom (anteilig): 100-200 €/Jahr
- Arbeitszimmer-Pauschale: Bis 1.260 €/Jahr absetzbar
Coworking Space:
- Flex-Desk: 150-250 €/Monat → 1.800-3.000 €/Jahr
- Fix-Desk: 250-400 €/Monat → 3.000-4.800 €/Jahr
Realistisch: 500-3.000 Euro/Jahr (Home Office mit gelegentlichem Coworking)
Was kostet Hardware (amortisiert)?
500 - 2.500 Euro/Jahr
- MacBook Pro / guter Windows-Laptop: 2.000-3.500 € alle 3-4 Jahre → 500-1.200 €/Jahr
- Monitor: 400-800 € alle 5 Jahre → 80-160 €/Jahr
- Peripherie (Tastatur, Maus, Webcam, Headset): 200-500 € alle 2-3 Jahre → 100-200 €/Jahr
- Smartphone: 800-1.200 € alle 2-3 Jahre → 300-500 €/Jahr
Amortisiert: 1.000-2.000 Euro/Jahr.
Was kosten Weiterbildung, Marketing und Sonstiges?
Weiterbildung: 200-2.000 Euro/Jahr. Online-Kurse, Konferenzen, Bücher. Wenn du nicht investierst, wirst du irrelevant. Klingt hart, stimmt aber.
Marketing und Akquise: 0-3.000 Euro/Jahr. Domain, E-Mail-Marketing, LinkedIn Premium, Visitenkarten. Aufträge kommen nicht von alleine.
Sonstiges: 300-1.000 Euro/Jahr. IHK-Beitrag (nur bei Gewerbeanmeldung), Bank-Gebühren, Porto, Mobilfunk. Die Posten, die niemand auf dem Schirm hat.
Die große Freelancer-Kosten-Rechnung
| Kategorie | Jährlich |
|---|---|
| Software und SaaS | 1.500 € |
| Versicherungen (mit GKV) | 5.000 € |
| Steuerberater | 2.000 € |
| Büro und Arbeitsplatz | 1.500 € |
| Hardware (amortisiert) | 1.500 € |
| Weiterbildung | 800 € |
| Marketing und Akquise | 500 € |
| Sonstiges | 600 € |
| Gesamt | 13.400 € |
Dreizehntausendvierhundert Euro. Pro Jahr. Bevor du einen Cent verdient hast.
Was bedeutet das für deinen Stundensatz?
Angenommen du willst netto 50.000 Euro im Jahr verdienen. Plus 13.400 Euro Fixkosten. Plus Einkommensteuer (ca. 25-30% auf deinen Gewinn).
Grob überschlagen brauchst du einen Jahresumsatz von ~85.000 Euro. Bei realistischen 1.400 Produktivstunden im Jahr (nach Urlaub, Krankheit, Akquise, Verwaltung) ergibt das einen Stundensatz von mindestens 60 Euro netto.
Und trotzdem sehe ich Freelancer, die für 45 Euro die Stunde arbeiten und sich wundern, warum am Ende nichts übrig bleibt.
Drei Dinge, die du jetzt tun solltest
1. Kenne deine Fixkosten auf den Euro genau. Nicht ungefähr. Nicht "ich glaube so um die...". Wenn du deine wiederkehrenden Kosten nicht in einer Liste hast, trag sie jetzt in Kostly ein. Alle Fixkosten an einem Ort, automatisch auf Monats- und Jahreswerte hochgerechnet.
2. Rechne die Fixkosten in deinen Stundensatz ein. Dein Stundensatz muss deine gesamten Kosten decken, plus Gewinn, plus Rücklagen.
3. Prüfe quartalsweise, ob du optimieren kannst. Versicherungen vergleichen. SaaS-Stack ausmisten. 10% Einsparung auf 13.400 Euro sind 1.340 Euro, das ist ein netter Kurzurlaub.
Freelancing ist teurer, als die meisten zugeben. Aber wer seine Kosten kennt, kann sie steuern. Und wer sie steuern kann, verdient am Ende mehr.